Reihensechszylinder mit Doppel- oder Dreifachvergasern prägen den Charakter vieler Limousinen und Coupés der 1960er Jahre. Ihre Revision verlangt mehr als den Austausch von Dichtungen — es geht um exakte Spielvorgaben, saubere Laufbahnen und eine Vergaserabstimmung, die zum Rest des Antriebsstrangs passt.
Bestandsaufnahme vor dem Zerlegen
Bevor der Motor die Werkstatt verlässt, dokumentieren wir Kompressionswerte, Öldruckverhalten und typische Geräusche im Warmlauf. Eine Endoskopie der Zylinder zeigt Verschleiß an Laufbahn und Ventilsitzen, ohne sofort zur Komplettdemontage zu zwingen. So lässt sich der Umfang der Revision realistisch planen.
Kurbeltrieb und Dichtheit
Kurbelwellen- und Pleuelspiel orientieren sich an Werksvorgaben — nicht an „fühlt sich gut an“. Bei Motoren mit hoher Laufleistung prüfen wir Lagerböcke, Nockenwellenverschleiß und die Planheit der Zylinderkopfflächen. Kopfdichtungen historischer Motoren reagieren empfindlich auf unebene Flächen; Nacharbeit erfolgt nur mit messbarem Ergebnis.
Typische Befunde
- ausgehärtete Ventilsitzringe mit schlechtem Kompressionsverlauf
- verölte Zündkerzen durch defekte Ventilführungen
- verschlissene Steuerkette oder verzögerte Einspritz-/Zündzeitpunkte bei späteren Varianten
Vergaser und Ansaugsystem
Mehrfachvergaser müssen einzeln synchronisiert werden — Unterschiede von wenigen hundert Umdrehungen spürbar machen sich als Ruckeln oder Hitzeschieben. Wir reinigen Kanäle, ersetzen verrottete Membranen und stellen Düsengrößen nach Motortyp und Nutzungsprofil ein. Ein abstimmender Prüfstand ersetzt nicht die Straßenfahrt, liefert aber eine belastbare Ausgangsbasis.
Zusammenbau und Einlauf
Nach dem Zusammenbau folgt ein kontrolliertes Einlaufprogramm: Öldruckaufbau, Temperaturgradient und schrittweise Last. Erst danach erfolgt die Feinabstimmung der Vergaser. Dokumentation mit Drehmomentprotokoll und Messwerten gehört zur Übergabe — für spätere Wartung und Nachvollziehbarkeit.
Wann reicht eine Teillrevision?
Nicht jeder Motor benötigt eine Komplettrevision. Bei geringem Verschleiß und intakten Laufbahnen kann eine Kopfrevision mit Ventilarbeit ausreichen. Die Entscheidung trifft sich nach Messung, nicht nach Baujahr allein — bei Fragen zu Ihrem Motor melden Sie sich bei uns.